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Die Presse über Lisette

Ein Duo muss nicht automatisch ein Duo sein. Häufig erliegen die Protagonisten der Verlockung, Akzente zu setzen, sich über den Partner hinwegzuheben, noch dazu wenn es sich um einen Pianisten und eine Sängerin handelt. Bei den Schweizern Christoph Stiefel und Lisette Spinnler drängen sich weder das Klavierspiel noch der Gesang in den Vordergrund. Auf „Bima Sakti“ versucht jeder, den anderen so gut wie möglich klingen zu lassen. In dieser egofreien Zone entsteht eine eigenwillige Fragilität, ein selbstloses Aufeinanderachten, ein sensibles Ertasten der beidseitigen Grenzen. Kein Vergleich mit anderen Kombinationen dieser Art, schon allein wegen der Titelauswahl. Über die tief gehende Melancholie von „Jolene“ dürfte sich sogar Country-Urmutter Dolly Parton wundern, während die Exkurse ins „Astracan Cafe“ (Anouar Brahem), in die Türkei („Burasi Mustur“), nach Afrika („Djabaram“ von Youssou N‘Dour) oder in Stiefels geheimnisvolle Welt der Isorhythmen durch die Umarmung der dunklen leuchtenden, wärmenden Stimme Spinnlers mit dem präparierten Flügel eine besondere Art von kreiselnder Schwerelosigkeit generieren. „Überirdische Schönheit“ nennt dies Liner-Noter Tom Gsteiger euphorisch. Dabei ist es doch nur ein Duo. Aber was für eins!
Reinhard Köchl, Jazz thing, Jänner 2012

 

Emotion, soll Strawinskky gesagt haben, sei "fürs Publikum", Musik für den Komponisten Struktur, allenfalls emotionale Strategie. Tatsächlich hat die "Moderne" (erst recht nach Stra-winsky) geradezu autistische Berührungsängste entwickelt. In den zaghaftesten Einladungen an den Zuhörer sah sie schon nuttenhaften Verrat. Das war die Chance des Jazz. Der kam aus den Tiefen des Trivialen und hatte doch Kunst im Sinn, allerdings eine, die auch in den Beinen gespürt werden wollte. Natürlich gab es da jede Menge von Rampensäuen. Aber ins-gesamt pendelte sich in dieser Fusionsmusik ein seit dem 19. Jahrhundert verlorengegangenes Gleichgewicht zwischen Kopf und Bauch wieder ein. Nicht einmal bei Sinatra ist die Ver-breitung von Wohlgefühl notwendig eine Aufforderung zum Zungenkuss. Lisette Spinnler, eine der Vokalistinnen, die der Schweizer Szene zurzeit ein eigentliches Sängerinnenwunder bescheren, hat mit dem alten Crooner und seinen Standards wenig gemein. Doch wie der macht sie Musik, die zugänglich ist und dennoch Kunst (meistens sogar grosse). Sie hat seit ihren Anfängen vor rund zehn Jahren eine ziemlich einmalige Balance zwischen Intimität und Distanz entwickelt, einen gleichzeitig coolen und warmen, organisch atmenden, ruhigen, oft etwas melancholisch eingedunkelten Vokalstil. Oft sind es Lieder ohne Worte oder im Vokabular selbsterfundener Sprachen, Mit dem Scat-Gesang der alten "shoo-bee-doo-ya-da-yaa"-Masche haben sie nichts zu tun. Spinnler ist eine "instrumentale" Sängerîn, aber ihre Virtuosität ist fast schamhaft verdeckt. Sozusagen patinierter Glanz. Sie versteht sich als Teil der Band. Vor allem ihre Parallelflüge mit dem lyrischen Tenor von Alex Hendriksen sind wie nicht von dieser Welt. Die Rhythmusgruppe: Patrice Moret am Bass, und Michi Schulz am Schlagzeug. Und der fabelhafte Colin Vallon am Piano, ein Begleiter wir eine Hebamme (die, da ja alles so gut läuft, auch mal ihr eigenes schönes Lied trällert).
Peter Rüedi, Weltwoche Nr. 9, 04.03.2010

 

Emotion, soll Strawinskky gesagt haben, sei "fürs Publikum", Musik für den Komponisten Struktur, allenfalls emotionale Strategie. Tatsächlich hat die "Moderne" (erst recht nach Stra-winsky) geradezu autistische Berührungsängste entwickelt. In den zaghaftesten Einladungen an den Zuhörer sah sie schon nuttenhaften Verrat. Das war die Chance des Jazz. Der kam aus den Tiefen des Trivialen und hatte doch Kunst im Sinn, allerdings eine, die auch in den Beinen gespürt werden wollte. Natürlich gab es da jede Menge von Rampensäuen. Aber ins-gesamt pendelte sich in dieser Fusionsmusik ein seit dem 19. Jahrhundert verlorengegangenes Gleichgewicht zwischen Kopf und Bauch wieder ein. Nicht einmal bei Sinatra ist die Ver-breitung von Wohlgefühl notwendig eine Aufforderung zum Zungenkuss. Lisette Spinnler, eine der Vokalistinnen, die der Schweizer Szene zurzeit ein eigentliches Sängerinnenwunder bescheren, hat mit dem alten Crooner und seinen Standards wenig gemein. Doch wie der macht sie Musik, die zugänglich ist und dennoch Kunst (meistens sogar grosse). Sie hat seit ihren Anfängen vor rund zehn Jahren eine ziemlich einmalige Balance zwischen Intimität und Distanz entwickelt, einen gleichzeitig coolen und warmen, organisch atmenden, ruhigen, oft etwas melancholisch eingedunkelten Vokalstil. Oft sind es Lieder ohne Worte oder im Vokabular selbsterfundener Sprachen, Mit dem Scat-Gesang der alten "shoo-bee-doo-ya-da-yaa"-Masche haben sie nichts zu tun. Spinnler ist eine "instrumentale" Sängerîn, aber ihre Virtuosität ist fast schamhaft verdeckt. Sozusagen patinierter Glanz. Sie versteht sich als Teil der Band. Vor allem ihre Parallelflüge mit dem lyrischen Tenor von Alex Hendriksen sind wie nicht von dieser Welt. Die Rhythmusgruppe: Patrice Moret am Bass, und Michi Schulz am Schlagzeug. Und der fabelhafte Colin Vallon am Piano, ein Begleiter wir eine Hebamme (die, da ja alles so gut läuft, auch mal ihr eigenes schönes Lied trällert).
Peter Rüedi, Weltwoche Nr. 9, 23.02.2010

 

Eine neue Stimme in der Szene. Die Baslerin Lisette Spinnler debütiert auf ihrem Album "Siawaloma" mit einer traditionell besetzten Gruppe. Die Besetzung aber ist fast das einzig Traditionelle an dieser CD.Das Quintett sieht sich als ein freiwilliger Zusammenschluss von eigenwilligen Köpfen, die wissen, dass man gemeinsam mehr erreicht - eine Aussage, die man nahezu als Definition des Jazz stehen lassen könnte. Und so orientiert sich "Siawaloma" gelegentlich an Modellen der Weltmusik, knüpft aber ebenso an Pharaoh Sanders' ekstatische Auslegung des Coltrane-Erbes an oder an Jeanne Lees frei Vokalisen der 1960er und 1970er Jahre. Die Erinnerung gerade an Lee liegt nahe, war sie doch Lehrerin von Susanne Abbuehl, die wiederum an der Musik-hochschule Basel als Spinnlers Lehrerin wirkte. Und auch Abbuehls zwei origenelle Platten für ECM waren sicher ein Modell für diese Gruppe.
Doch das Quintett hat sich über seine Vorbilder erhoben und musiziert sehr eigenständig, dabei auf sichere Bahnen gebracht von einer hochklassigen Rhythmusgruppe, in der vor allem Schlagzeuger Michi Stulz brilliert. Über dieser sicheren improvisatorischen Basis setzt die Arbeit Spinnlers ein, die die CD auch produziert hat. Durch gelegentliche Overdubs nimmt sie dem Material alles Beiläufige, gibt ihm solide Form, ohne es zu überladen. Besonders gelungen ist das auf dem Stück "Kothbiro", dem Anspieltipp auf dieser CD.
Stephan Richter, Fono Forum, März 2010

 

Eine tolle Neuentdeckung: Lisette Spinnler aus Basel begeistert auf diesem wunderbar stimmigen Album mit schlüssigem Konzept – Stimme als gleichberechtigtes Instrument einer Combo – und betörendem, meist scatartigem Gesang. Dabei beweist die Schweizerin ein seltenes Gespür nicht nur für faszinierend schwerelose Vokallinien, sondern auch für die Lautgestaltung ihrer Phrasen, die sie in einer selbsterfundenen Phantasiesprache intoniert. Dazu gibt’s kammermusikalischen Jazz in bester ECM-Qualität mit atmosphärischen, vor allem afrikanischen Weltmusikanklängen. Brillant ist der Rapport zwischen Spinnlers Stimme und dem samtigen Tenorsax von Alex Hendriksen sowie Colin Vallons perkussivem Pianospiel. Grandios!
gespi, Mannheimer Morgen, Februar 2010

 

Zwischen den Kulturen "Siawaloma" heißt das neue Album der Basler Jazz- und Weltmusik-Sängerin Lisette Spinnler ."Wurzeln eines großen Sommerbaumes auf einem Felsen breiten sich in alle Richtungen aus" – dieser Aphorismus des Japaners Kyoshi Takahama steht als Motto über ihrer CD. Die Heimat Schweiz als der Felsen, die Welt als Spielwiese all der Klänge, die sie auslotet – so könnte man die Philosophie der Vokalkünstlerin Lisette Spinnler begreifen, die schon vom Stimmen-Festival und dem Basler Offbeat in der Region bekannt ist.

Studiert hat sie auch in Basel, versicherte sich des Zuspruchs eines George Gruntz, sammelte Preise in Zürich und Montreux, wurde international eine Größe im Jazzgesang. Und behauptet sich neben den nicht wenigen helvetischen Kolleginnen als "vielversprechendste Stimme der Schweiz", wie sie das Magazin Jazz’n’More nannte.

Nun hat die Gepriesene eine neue CD vorgelegt, mit dem Titel "Siawaloma", was zugleich auch der Name ihres Quintetts ist. Der Name klingt nach dem schwarzen Kontinent, und Spinnler bringt in der Tat afrikanisch gefärbte Passagen in ihre Stücke ein. Sie spannt den Bogen jedoch noch viel weiter, sie gehört zu den Vokalistinnen, die sich an keine bestehende Sprache ketten wollen und deshalb eine eigene erfinden.

Mit wendiger, klarer, auch durchaus gewitzter und verschmitzter Stimme findet sie zu einer ganz persönlichen Ausdruckswelt, in die sie auf dem Album mit einem kühnen dramaturgischen Schwung hineingeleitet: "Durban’s Township" ist ein langer Hymnus, in dem ihre vier Begleiter mit ihr unisono zu atmen scheinen. In einem Titel wie "L’Hiver D’Après" reißt einen dann der zackige Scat vom Sitz. Doch die Stücke mit ruhigem Puls überwiegen. So lässt Spinnler den Hörer in "Peace Piece" zuerst mit ruhigen Phrasen, dann mit spirituell aufgeladenen Mantren in komtemplative Kühle absinken, begleitet von Alex Hendriksens bauchigem Sax. Wie ein imaginärer, vielstimmiger Gospel beginnt "You", um sich dann in eine Soul-Jazz-Ballade hinein zu träumen.

"Kothbiro" siedelt in einer kulturellen Zwischen-sphäre: Die minimalistische Begleitung mit präpariertem Piano deutet auf Fernost hin, die gesungenen Laute könnten einer afrikanischen Sprache entstammen – und tatsächlich hat Spinnler hier ein somnambules Stück aus der Feder des Kenianers Ayub Ogada bearbeitet. Eine weitere Afro-Reise unternimmt das Quintett im Titelstück der CD, in dem Colin Vallon sich aus den folklorehaften Themen im Geiste eines Abdullah Ibrahim zu einer komplexen Improvi-sation emporschraubt. Auch im Finale erweist sich Spinnler als multikulturell versiert, trägt eine traurig verschleierte Weise aus der Türkei zu dunklen Flötenklängen vor. Wenn sich Spinnler im coolen "Breeze" aus der Fantasiesprache löst, erschrickt man fast: Doch auch das englisch dahin Gehauchte beherrscht die Baslerin.

Die Regio hat eine starke, reife Stimme hinzugewonnen, und man freut sich, Lisette Spinnler mit ihrer auch gestisch ausdrucksstarken Performance bald wieder auf der Bühne zu sehen.
Badische Zeitung (print + online), Februar 2010

 

Diese junge Schweizerin eine Sängerin zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung. Lisette Spinnler, die an der Basler Musikhochschule Jazzgesang unterrichtet, beschwört mit lautmalerischen Silbenfolgen zauberhafte Stimmungen, lässt ganz dezent alpenländische Folklore anklingen, kann aber auch wie eine große Jazz-Lady über swingendem Fundament phänomenal phrasieren.
Das begleitende Quartett Siawaloma (Tenorsax, Piano, Bass, Drums) stachelt diese markante Stimme zu größtmöglicher Intensität an. Ein Erlebnis.
Stereoplay, Februar 2010

 

Lisette Spinnler brachte mit ihrem Quintett Siawaloma zwar afrikanisch getönte Passagen auf die Bühne, spannte den Bogen jedoch viel weiter. Die grösste Trumpfkarte der quirligen Frau mit der wendigen, klaren Stimme ist ihr Vermögen, ungewöhnlichen Scatgesang zu zaubern. Verspielt produziert sie Vokallinien in einer scheinbar imaginären Sprache, untermalt sie mit flatternder Hand, gleitet aber auch ins Gesprochene rüber, haucht, schnalzt. Die Band folgt ihr durch Standards wie Hancocks «Maiden Voyage» und Dave Hollands «Mazad», zaubert in einem türkischen Volkslied eine weitgeschwungene, von Flöte durchwirkte Dramaturgie. Spinnlers Afrika-Adaption ist eher unterschwellig zu spüren – in fiebrigen Bassriffs oder meditativ-verträumtem Nachzeichnen einer Landschaft.
Stefan Franzen, Basler Zeitung, Mai 2009

 

Der Zuschauer wird staunender Augen- und Ohrenzeuge eines nahezu magischen Geschehens: Nach wenigen Takten wird die zuvor noch so zurückhaltende und ruhige junge Frau zur Schamanin, zum Medium einer anderen Welt, die aus ihrem Innersten steigt und der sie mit fliegenden Handbewegungen nachspürt. Singen bedeutet bei ihr unbedingtes Da-Sein im Hier und Jetzt, ihr ganzer Körper wird zum Instrument, beginnt zu beben und zu flattern, verwandelt sich wie die Stimme, die er trägt: zärtlich und klagend, dann wieder verspielt schnatternd oder im halbernsten Gestus eines schimpfenden Marktweibs erzählt Lisette Spinnler von der bunten Vielgestaltigkeit des Lebens.
Selma Mahlknecht, Ostschweizerinnen.ch, Februar 2008

 

Das Publikum (…) versinkt in den offenen Songstrukturen von Lisette Spinnler, Nicole Jo und BraffOesterRohrer. Nach freejazzartigen Sequenzen mündet der nächste Song in eine schmerzlich schöne türkische Volksliedballade über. Das Publikum ist verzückt, ausgelassen, zufrieden.
Michael Hasler, Thurgauer Zeitung, September 2008

 

Lisette Spinnler ist deshalb eine so besondere Sängerin, weil sie eine «kindliche» Frische, Direktheit, gelegentlich Ausgelassenheit, jedenfalls aber Natürlichkeit mit einem erstaunlichen Raffinement, einer höchst kunstvollen Modulationsfähigkeit verbindet. (…)
Im Gegensatz zu den vielen «Chantoussies» der Branche, Glamour-Girls, in deren Rücken die blasseste Rhythmusgruppe die beste ist, versteht sie sich als Kollegin unter Kollegen, als Improvisatorin unter Improvisatoren. Sie ist, mit dem Titel ihres Erstlings, «In Between», mittenmang im Interplay, ob sie nun nah an der Melodie mit den feinen Verschiebungen operiert oder sich ganz in den Instrumentalgesang verabschiedet, in den sogenannten Scat. Auch mit dem hebt Lisette Spinnler nicht ab auf jene virtuosen Egotrips, für welche die Fitzgerald zu Recht berühmt war und die bei deren Epigoninnen meist peinlich sind.
Peter Rüedi, Weltwoche, November 2004

 

Der Einsatz der Stimme als Geräuscherzeugerin mit Kratz-, Pieps- und Schnalz-tönen, Pausen, Breaks und dynamischen Verlagerungen bis hin zum Hauchen und Flüstern erinnert an die Portugiesin Maria João, wobei Lisette Spinnler weniger ätherisch und damit erdverbundener erscheint. Ihr Funky-Stück «Smile» groovte ganz schön und riss das Publikum zu Spontanapplaus hin.
Jürg Weibel, Basler Zeitung, Mai 2003

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Neues Album:
Duo Christoph Stiefel und Lisette Spinnler

Release: Februar 2012