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Im Jänner 2010 erschien Lisettes zweites Album: "Siawaloma"!


Roots of a large summer tree
On a rock

Extend in all directions.
Kyoshi Takahama (1874-1959)


Mit ihrer Gruppe Siawaloma zelebriert die charismatische Basler Sängerin Lisette Spinnler eine organische, atmende Musik, die sich an den Zyklen des Werdens und Vergehens in der Natur zu orientieren scheint: Nichts wirkt hektisch oder überstürzt, auch wenn es mal schnell gehen muss. Man nimmt sich Zeit, um atmosphärische Stimmungsbilder heraufzubeschwören und zu umkreisen.

Ab und zu taucht eine solistische Stimme aus dem Ensemble auf, um Zeugnis von ihrer Einzigartigkeit abzulegen: wie ein Vogel, der plötzlich aus dem dunklen Wald herausfliegt, um am strahlend blauen Himmel seine Bahnen zu ziehen.

“Siawaloma” bedeutet Gemeinschaft – und tatsächlich: Spinnlers Band ist eine Gemeinschaft. Jedes einzelne Individuum ist unzertrennbar mit jedem anderen Individuum verbunden. So entsteht eine echte Gemeinschaft: kein Kollektiv, das von oben dirigiert wird, sondern ein freiwilliger Zusammenschluss von eigenwilligen Köpfen, die wissen, dass man gemeinsam mehr erreicht.

Mit Lisette Spinnler im Gespräch:

“Jazz ist mich für die unmittelbarste Musik. Sie entsteht grösstenteils in der Gegenwart, aus dem Moment heraus.” – Die Schweizer Künstlerin Lisette Spinnler ist eine der bemerkenswertesten Sängerinnen ihres Landes. Mit ihrer Gruppe „Siawaloma“ legt sie ein gleichnamiges Album auf Wolfgang Muthspiels Label material records vor, das durch Virtuosität, Ausdrucksstärke und die Wandlungsfähigkeit ihrer warmen, erotischen Stimme ebenso besticht wie durch das Interplay des ganzen Quartetts.

„Siawaloma“ ist ein Ausdruck aus Burkina Faso und bedeutet Gemeinschaft. „Ich habe dort ein paar Wochen in einer Musikgruppe verbracht: Den ganzen Tag wird musiziert, getanzt oder gemeinsam gegessen, die Menschen haben weder einen anderen Beruf noch Arbeit. Alle sind aufeinander angewiesen, weshalb hier das Gemeinschaftsgefühl so groß ist.“ Für Lisette wurde „Siawaloma“ Programm, das sie mit den herausragenden Musikern ihres Quartetts – Colin Vallon (Piano), Alex Hendriksen (Saxofone), Patrice Moret (Bass) und Michi Stulz (Drums) – auch lebt. „Jeder bringt eine hohe Sensibilität für die im Kollektiv entstehende Musik mit“, sagt Lisette. Ihre Markenzeichen sind ihr Scat und ihre Fantasiesprachen, ganz besonders aber die Fähigkeit, ihre Stimme als gleichberechtigtes Instrument in der Gruppe einzubringen. Hier steht nicht die Sängerin, die von einer Band begleitet wird, sondern die Improvisatorin, die gemeinsam mit drei Improvisatoren die Musik unmittelbar entstehen lässt und entwickelt.

„Wir versuchen, unsere Musik ohne fixe Arrangements zu kreieren mit dem Ziel, möglichst in die Tiefe zu gehen, Emotionen zu wecken. Wir starten oft mit einer simplen Songstruktur, lassen uns damit spielend auf einander ein, provozieren Reaktionen, spinnen einen Faden, nehmen ihn auf, entrollen ihn und lassen uns von ihm führen. Daraus wird jedes Mal eine auch für uns neue Musik, die das Publikum meist schnell erreicht und berührt. Wer unsere Konzerte besucht, kommt fast automatisch mit auf eine gemeinsame Reise, und unsere Musik wird damit zum Erlebnis für alle“. Dabei geht es Lisette Spinnler und ihrem Quartett nicht um ein voraussehbares Ziel und schon gar nicht um einen bestimmten Stil. Was zählt, ist die Qualität, sich ganz in den gemeinsamen musikalischen Prozess geben zu können. Daraus resultiert der unverwechselbare Siawaloma-Sound. „Meine Stimme öffnet mir in diesem Prozess verschiedenste Möglichkeiten, die mir als Werkzeug zur Verfügung stehen, aber Virtuosität an sich ist kein eigentliches Ziel. Sie dient vielmehr meinem persönlichen Ausdruck, meinen Emotionen und ist das Resultat meiner Erfahrungen.“

Beeindruckt von der italienischen Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, studierte Lisette Spinnler zunächst vier Jahre lang klassischen Liedgesang, ehe sie sich vom Jazzfieber und der Improvisation anstecken liess, die ihrem ganzen Naturell und ihren Fähigkeiten entgegenkommt. „Die Improvisation ist ein kreativer Prozess, der, wenn er aus sich selbst heraus, möglichst ohne Absicht und offen geschieht, zu völlig überraschenden und absolut beglückenden Momenten führt.“ Sandy Patton und Susanne Abbuehl zählten zu ihren Lehrerinnen an der Basler Musikhochschule, an der sie seit 2006 selbst untererrichtet. „Ich lerne auch durch die Unterrichtstätigkeit immer noch sehr viel, und die Arbeit mit den Studierenden bereitet mir Freude. Das Singen weiterzugeben ist eine filigrane und sensible Arbeit. Sie verlangt, wie das Musikmachen selbst, starke Präsenz und bewusste Auseinandersetzung mit Stimme, Klang und Körper“, so Lisette Spinnler. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählen etwa Bobby McFerrin, Cassandra Wilson, Dianne Reeves, Miles Davis oder Ella Fitzgerald.

2001 erhielt Lisette den Solistenpreis beim Montreux Off-Festival (Jurymitglied Thierry Lang). Und sie absolvierte seither zahlreiche Tourneen und Konzerte im In- und Ausland, u.a. mit dem European Jazz Youth Orchestra, Cojazz (Andy Scherrer, Stephan Kurmann, Peter Schmidlin), BraffOesterRohrer, Theodosii Spassov, Christoph Stiefel, Adrian Mears (Requiem Op. 48, Der Berner Totentanz), Jean-Paul Brodbeck, Fabian Gisler, Domenic Landolf, Thomas Moeckel, Franz Hellmüller, Rafi Woll u.a.


Download CD Cover & Portrait

cd_siawaloma

Neues Album:
Duo Christoph Stiefel und Lisette Spinnler

Release: Februar 2012